Von den Häuserwäschern zum Allround-Dienstleister

Die Anfänge der Gebäudereinigung lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Die damaligen Wand- und Wagenwäscher zogen mit Pferdewagen durch die Lande, bepackt mit Leitern, Bürsten, Besen, Wasser- und Sandkübeln. Der erste Frankfurter Gebäudereiniger war Ernst Schröder, der auf seiner Wanderschaft 1883 hierher gelangte. Er reinigte Erker- und Schaufensterscheiben "im Abonnement". Mit der Gründung weiterer Firmen (August Rüger, Glas- und Gebäudereinigungsinstitut Germania, Müller, Rosenstein, Reuß, J. Rüger, Weinrich, H. Schmidt, Dübe, Kubbe, L. Ehrmann, H. Klein, Schröder, Wirsing, Schittlohr und Michels) kam auch der echte Konkurrenzkampf auf. Um den existenzbedrohenden Preiskämpfen Einhalt gebieten zu können, gründete man 1924 die "freie Innung Frankfurt". Die Innung entwickelte sich prächtig. Beim 60-jährigen Bestehen 1984 gehörten ihr schon 95 Betriebe an. 1988 kam es unter der Regie des Frankfurter Reinigungsunternehmers Hans Berthold und des Wiesbadener Obermeisters Gregor Eiserloh zum Zusammenschluß mit der Wiesbadener Innung. 1990 reihte sich noch die Kasseler Innung ein und es entstand die heute noch bestehende hessische Landesinnung des Gebäudereiniger-Handwerks. Die Innung hat mittlerweile mehr als 250 Mitgliedsbetriebe, wobei auch heute noch der Schwerpunkt der hessischen Reinigungsunternehmen im Frankfurter Raum liegt.

Die Gebäudereinigung hat sich seither enorm weiterentwickelt. Neue Belagsarten kamen auf den Markt, für die neue Reinigungsverfahren entwickelt werden mußten, rationellere Reinigungsmethoden setzten sich durch, da man die Arbeit somit kostengünstiger ausführen konnte und nicht zu letzt wurden auch immer höhere Ansprüche an die Reinigung gestellt. In Krankenhäusern müssen beispielsweise umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt werden, die gewährleisten, daß die immungeschwächten Patienten sich hier nicht noch mit weiteren Krankheiten infizieren. In der Computer-Chip-Industrie kommen spezielle fusselfreie Tücher und besondere Reinigungsmittel zum Einsatz. Der ganze Aufwand dient nur dem einen Zweck, zu verhindern, daß Staubpartikel in das Endprodukt, z.B. die Computer-Festplatte, gelangen, da schon ein Staubkorn zum Totalausfall führen kann.

Die bundesweiten Aktivitäten der verschiedenen Innungen und Vereinigungen zeitigten schon 1934 Erfolge, als der Beruf zum Vollhandwerk erklärt wurde. Es konnte sich von nunan nur noch selbständig machen, wer "meisterliche Arbeit" anbot, also einen Meister beschäftigte. Zugleich begann man mit der Ausbildung von Gesellen, was im Laufe der Jahre immer wichtiger wurde, da ständig neue Reinigungsverfahren und Chemikalien hinzukamen und eine Gewährleistung für die fachgerechte Arbeit immer wichtiger wurde. Als Beispiel für die Wichtigkeit der Gewährleistung sei die Reinigung von Eloxalfassaden angeführt. Kommt hier das falsche Reinigungsmittel oder der falsche Pad zur Anwendung, so kann es zu erheblichen Schäden kommen. Das Gleiche gilt für die normale Unterhaltsreinigung, bei der sowohl die Bodenbeläge, wie auch eventuell in Zwischenschächten verlegte Leitungen beschädigt werden und enorme Schadensersatzansprüche verursachen können.

Die Reinigungsunternehmen widmen sich übrigens nicht nur der Werterhaltung und Reinigung, viele bieten mittlerweile zahlreiche weitere Dienstleistungen rund ums Gebäude an, wie z.B. Hausmeister- und Sicherheitsdienste, Catering, Winterdienst und Anlagenpflege. Der Dienstleistungssektor wächst und diese Chance wird von den Betrieben genutzt.

Die Gebäudereiniger gehören heute zum Stadtbild der Wolkenkratzer-Metropole, die ohne diese nicht in ihrem Glanz erstrahlen könnte.

Glasreinigung bei Opel in den 1940er Jahren
Reinigung der Außenfassade des Opelwerks in Rüsselsheim in den 1940er Jahren